Wird der Marathon in Berlin gut gehen? Ich kenne die Strecke nicht. Wird das Wetter gut für mich sein? 42,195 km Laufen geht nicht einfach so!
Das Abenteuer „BERLINMARATHON“ beginnt am Freitag mit dem Flug von Salzburg nach Berlin. Traudi, Michael und Christiane sind ab Salzburg dabei. In Berlin kommen Maria, Christian und Julia dazu. Mein Fanclub ist komplett – ich freue mich riesig darüber.
Vermutlich kann ich meine Freude nicht vermitteln, weil ich innerlich doch sehr angespannt bin. Ich habe riesigen Respekt vor der Herausforderung und freue mich gleichzeitig schon sehr darauf. Die Wettervorhersage ist hervorragend: Schönes Wetter, bei „erträglichen“ Temperaturen (da kommt in meinen Gedanken immer öfter „3:45 ist möglich“ vor).
Wir haben uns für Berlin Zeit genommen; damit kann ich am Samstag den „Frühstückslauf“ vom Schloss Charlottenburg ins Olympiastadion mitmachen. Eine herrliche Atmosphäre und ein Vorgeschmack auf den Sonntag. Es gibt durchgehend sehr viele Läufer auf der Strecke, etwas zu schmale Straßen und nie kann ich so laufen, wie ich möchte!
In der Nacht von Freitag auf Samstag habe ich herrlich, ohne Unterbrechung geschlafen. Am Samstagabend ist in mir schon etwas Unruhe. Mein Laufequipment ist vorbereitet; den Weg zum Startareal habe ich „auswendig gelernt“; ich versuche mich so gut es geht zu entspannen. Der Schlaf ist etwas unruhig, aber ich begrüße den strahlenden Morgen sehr zuversichtlich. Der Respekt vor der Herausforderung ist da, aber ich will unbedingt da durch und danach dieses unbeschreibliche Gefühl, die Endorphinausschüttungen genießen.
Dabei brauche ich immer einiges an Zeit, bis ich realisieren kann, dass ich meine Ziele erreicht habe.
Nach dem Frühstück gibt´s nur: „Auf zum Start!“
Ab S-Bahn gibt es nur noch Marathonläufer. Es gibt nur Läufer, Kleiderbeutelabgabe, Startblockwegweiser, Marathonläufer, Marathonläuferinnen, Startblockwegweiser und dann, nach penibler Kontrolle den Startblock. Ich bin der Meinung, dass ich einen Block zu weit hinten stehe. Zumindest bin ich in dem Block eine Stunde vor dem Start an der Begrenzungslinie. Geduld ist nie meine Sache, aber vorm Marathonstart kann ich ganz einfach ohne Probleme eine Stunde stehen und warten. Es gibt ja auch Musik und Informationen. Die Blöcke füllen sich sehr schnell, die Zeit vergeht rasch und die ersten Blöcke starten. Wir müssen noch zehn Minuten warten.
Dann gibt´s kein Halten mehr. Bewegung im Block kommt auf und endlich geht´s, los!
Nicht lange, denn kurz nach der Siegessäule bremst die schmale Straße.
Ich will schneller laufen. Es geht nicht schneller, weil vor mir kein Platz ist und „nichts weitergeht“! So geht es viele Kilometer weit. Ich nütze jede Möglichkeit zum Überholen aus.
Ich weiß, dass damit kein richtiger Laufrhythmus möglich ist, dass das Kraft kostet, die mir auf den letzten Kilometern fehlen könnte. Egal, ich will ein ordentliches Tempo laufen.
So kämpfe ich Kilometer für Kilometer um jeden Zentimeter Platz auf den schmalen Straßen.
Es geht gut. „Highfeeling“ in mir und das Tempo ist gut. Die mit meinem Fanclub ungefähr vereinbarten Punkte auf der Strecke passen exakt. Wir sehen uns, winken und mich spornt das super an! Bei der Halbmarathondistanz habe ich meine „Traumzeit“ und hoffe, dass die zweite Hälfte mit weniger Kampf, ruhigerem Lauf verbunden ist. Es wird etwas ruhiger auf der Strecke. Mein Fanclub ist auch wieder präsent – SUPER!
Ich muss aber immer noch einmal links, einmal rechts, einmal …. an anderen Läufern und Läuferinnen vorbei. Das ist einfach kein ruhiger, rhythmischer Lauf. Und der kostet Kraft. Es meldet sich auch meine Blase, die meint, dass ich unbedingt eine problemlösende Pause machen muss. Was sein muss, muss sein (gut eine Minute; habe ich an Hand der Uhraufzeichnung festgestellt).
Das Laufen wird mit steigender Temperatur mühsamer. Die Kraftreserven habe ich bei den Überholmanövern auf der ersten Hälfte des Marathons aufgebraucht. Mir wird bewusst, dass ich nun keine Reserven mehr habe und froh sein muss, dass ich ohne Leistungseinbruch ins Ziel komme. Das Ziel muss ich erreichen! Ich muss das Ziel mit guter Zeit erreichen!
Die Beinmuskeln beginnen zu schmerzen. Ich muss darauf achten, dass keine Krämpfe dazu kommen. Ich muss zu jeder Getränkestation, trotz Gedränge davor; ich muss zu jeder Verpflegungsstation, brauche etwas Energie. Das Laufen ist mühsam, die Kraftreserven sind auf null. Jetzt ist auch das Tempo egal, Hauptsache nicht null!
Jetzt bin ich beim Laufen am LL (Leistungslimit), aber noch ein oder zwei oder drei kurze Abbiegungen und „Unter den Linden“ werde ich erreichen. Dort ist das Brandenburger Tor zu sehen und dann gibt es kein, absolut kein Hindernis zur Zielerreichung!
Da ist endlich die letzte Abbiegung, das Brandenburger Tor! Neben der Strecke eine durchgehende, applaudierende Menschenmenge.
Gerade war das Tor noch weit weg; jetzt laufe ich darauf zu, durch und noch 200 Meter bis zur Ziellinie.
Marathonfinish in Berlin, mit 40.000 Läufern und Läuferinnen, mit großartiger Atmosphäre herrlichstem Wetter, das ist ein überwältigendes Erlebnis. Ich bin in einer Ausnahmesituation.
Ich bewege mich mit der Menge vorwärts, nehme meine Medaille in Empfang, gehe weiter Richtung Verpflegung, Duschen und realisiere erst langsam, dass ich wieder ein großartiges Ziel erreicht habe.
ICH HABE MEIN LAUFZIEL 2011 ERREICHT!
Ich weiß die offizielle Zeit bis zur Rückkehr nach Salzburg nicht, aber ich weiß, dass es eine gute Zeit ist.
Die Zeit, mit 3:50:31 ist gut. Ich freue mich und auch wenn meine Beinmuskeln ziemlich schmerzen – laufen ist schön!
Da kann ich nur hinzufügen, dass Laufen SEHR schön ist und so super gutes feeling produzieren kann!
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